Studentischer Arbeitskreis ​Zivilklausel Kassel

AUTONOME

Ringvorlesung

WI​NTERSEMESTER 2022/2023

KRIEG

Frieden

&

Warum diese Ringvorlesung?

Am 27. Februar, nur drei Tage nach dem Angriff Russlands auf die ​Ukraine, rief Bundeskanzler Olaf Scholz in einer Regierungserklärung ​eine für viele überraschende Zeitenwende aus. Die krisengeplagte ​Welt sei einmal mehr - über Nacht - eine andere geworden und es ​gelte nun, die notwendige Kraft aufzubringen, um sich Kriegstreibern ​wie Putin entgegenzustellen.


Erste Antworten auf diese sogenannte durch die russische Invasion ​hervorgerufene Zeitenwende ließen nicht lange auf sich warten: Im ​Eiltempo wurde das „Sondervermögen Bundeswehr“ in Höhe von 100 ​Milliarden Euro in Bundestag und -rat beschlossen und im ​Grundgesetz verankert, um die „Bündnis- und ​Verteidigungsfähigkeit“ Deutschlands in der NATO und in der Welt zu ​stärken. Das über viele Jahre hinweg etablierte Narrativ einer ​vermeintlich chronisch unterfinanzierten, sich in einem desaströsen ​Zustand befindlichen Bundeswehr, tat sein Übriges dazu, die ​Notwendigkeit einer umfangreichen Aufrüstung zu plausibilisieren. ​Die neue Ära umfasst ebenso einen neu formulierten Anspruch ​Deutschlands in der Welt und in der NATO.


Das westliche Militärbündnis scheint darüber hinaus konsolidiert aus ​der aktuellen Situation herauszugehen; eine kritische Betrachtung ​seiner Rolle und Geschichte findet im öffentlichen Diskurs kaum statt. ​Vielmehr ist eine zunehmende Militarisierung und Repatriierung der ​Gesellschaft zu beobachten. Die hehren „westlichen Werte“ sollen ​gegen autoritäre Aggressoren verteidigt werden, notfalls mit ​militärischen Mitteln. Damit einhergehend scheint sich ein ​bellizistischer Grundkanon im gesellschaftlichen Diskurs zu ​verallgemeinern und sorgt auch innerhalb der traditionellen ​Friedensbewegung für tiefe Auseinandersetzungen.



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akzivilklauselkassel@riseup.net

Der Krieg in der Ukraine spiegelt sich ebenso im Wissenschafts- und ​Universitätskosmos wieder. Während sich in öffentlichen Debatten, ​zwar selten, aber durchaus kontrovers und hart gestritten wird, findet ​eine Debatte um Krieg und Frieden und die gesellschaftspolitische ​Rolle der Wissenschaft und Universitäten kaum statt. Vielmehr reihen ​sich die Wissenschaftsinstitutionen ein in eine Welle antirussischer ​Aktivitäten: Kooperationen mit Wissenschaftler:innen, russischen ​Forschungsinstitutionen und Studierenden werden ad hoc beendet. ​Im gleichen Atemzug fordern Think Tanks die Abschaffung der ​Zivilklauseln. Friedenspolitische Errungenschaften werden offenbar ​im Handumdrehen einkassiert und auch ein Blick ins kommende ​Vorlesungsverzeichnis offenbart, dass eine Art business as usual ​fortgeführt wird und das weltpolitische Krisenthema Ukraine-Krieg ​kaum in Lehrplänen vorkommt.


Um dem entgegenzuwirken wollen wir als Arbeitskreis Zivilklausel ​mit dieser Veranstaltungsreihe einen Beitrag im Campusalltag des WS ​22/23 leisten, um eine offen geführte, gleichberechtigte Debatte ​innerhalb der Universität und über die Campusgrenzen hinaus zu ​ermöglichen. Denn im Selbstverständnis als Arbeitskreis Zivilklausel ​ist die Zivilklausel nicht finales Ziel unseres Engagements: Es ist das ​friedenspolitische Wesen der Zivilklausel, welches gelebt und ständig ​erneuert werden muss, damit unsere Universität, also Wissenschaft, ​Studium und Lehre sich ausschließlich in den Dienst der Gesellschaft ​und damit demokratischer, friedlicher und ziviler Ziele stellt und sie ​lebt!


Die Ringvorlesung richtet sich an alle interessierten Menschen und ​wir freuen uns über ein spannendes Programm, gute Diskussionen ​und einen regen Austausch!


Euer AK Zivilklausel





24.11.2022

20.00 Uhr

»SELENSKYJS T-SHIRT ​ODER

DIE ÄSTHETISIERUNG ​DES KRIEGES«


David Salomon ist Politikwissenschaftler an der TU ​Darmstadt, forscht und lehrt in den Arbeitsschwer-​punkten Demokratietheorien, neuere Imperialismus-​theorien, Politische Ästhetik und Brecht-Forschung. ​Darüber hinaus ist David Salomon Redaktionsmitglied ​der Z. (Zeitschrift Marxistische Erneuerung).

...Vortrag & Diskussion mit David Salomon

(TU Darmstadt | Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung)

Der Ukraine-Krieg beschäftigt nicht nur die Weltpolitik oder die Nachrichtenredaktionen mit ​ihren Sondersendungen und Brennpunkten, sondern ergreifen ebenfalls die Boulevard- und ​Modeexpert:innen der „Qualitätsmodepresse“. Wenn Selenskyjs Militärshirt zum „Symbol für ​Patriotismus der Ukraine“ und „unsere Werte“ hochstilisiert und der Krieg zum Krieg der Bilder ​und Symbole werden, dann spricht der Politikwissenschaftler David Salomon ganz zurecht von ​Geschmacklosigkeiten, in Anbetracht der täglich sterbenden Menschen in diesem Konflikt.


Dieses Phänomen begreift David Salomon als die »Ästhetisierung des Krieges« – in Anlehnung ​an Walter Benjamins Begriff der »Ästhetisierung der Politik«. Die Kluft zwischen „Inszenierung“ ​und „Realität“ sorgt dafür, dass sich Aufrüstung und Militarisierung im öffentlichen Diskurs ​durchsetzen. Bilder und Inszenierungen spielen dabei eine entscheidende Rolle: das ​Imaginieren eines „Wir“ und „unsere Werte“ moralisieren und entpolitisieren den Diskurs und ​diskreditieren den Weg für eine wirkliche Analyse, um Ursachen, Folgen und Auswege aus ​diesem Krieg. Aber wer will schon gegen „Frieden, Freiheit und Demokratie“ sein?







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...Vortrag & Diskussion mit Jürgen Wagner

(Informationsstelle Militarisierung)

»ZEITENWENDE ​AUFRÜSTUNG«


Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine war Anlass für die ​westlichen Regierungen, insbesondere der Ampel-Koalition in Berlin, eine Zeitenwende ​auszurufen: Die Bundesregierung hat das größte Aufrüstungsprogramm seit Jahrzehnten ​vom Zaun gebrochen.


Allerdings wurde diese »Zeitenwende« (Olaf Scholz) bereits vor dem russischen Angriff auf ​die Ukraine von langer Hand vorbereitet: Politisch durch immer offener artikulierte ​Großmachtansprüche; militärisch durch einen Umbau der Bundeswehr, bei dem die ​Bildung von Großverbänden im Zentrum steht; und industriell durch die »Agenda ​Rüstung«, die auf die massive Stärkung der Waffenindustrie abzielt.


Demnach steht die »Zeitenwende« zwar in der Kontinuität dieser Entwicklungen, sie ​forciert sie aber in einem Ausmaß, das Deutschland nachhaltig zu verändern droht: ​Innenpolitisch ist mit einem deutlichen Erstarken des militärisch-¬industriellen ​Komplexes zu rechnen. Gleichzeitig wird das Land in die Riege der Top-Rüster aufsteigen ​und damit eine »Kultur der militärischen Zurückhaltung« wohl endgültig ad acta legen. ​Zugleich werden immense Ressourcen verschleudert, die dringend für die Bewältigung der ​zahlreichen Großkrisen – Klima, Gesundheit, Armut – benötigt werden.


Daher ist es nötig, die Alternativen zu Aufrüstung und Militarisierung auszuloten – die Zeit ​dazu drängt: Das 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen soll bis 2026 reichen, eine Debatte ​über dessen Verstetigung steht damit ins Haus.

08.12.2022

20.00 Uhr

Jürgen Wagner ist Politikwissenschaftler und ​geschäftsführendes Vorstandsmitglied der ​Tübinger Informationsstelle Militarisierung (IMi) ​e.V.

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10./11.12.2022


»KONGRESS 2022

BUNDESWEITER ​FRIEDENSRATSCHLAG«


Der bundesweite Friedensratschlag ist ein ​Zusammenschluss von friedenspolitisch engagierten ​Menschen und Gruppen aus ganz Deutschland. ​Einmal im Jahr treffen sich einige Hundert ​Friedensbewegte in Kassel zu einem friedens-​politischen Kongress.

...Unterwegs zu einer neuen Weltordnung:

Weltkrieg oder sozialökologische Wende zum Frieden

Bundesweiter Friedensratschlag 2022 in Kassel im Philipp-Scheidemann-Haus am 10. und 11. Dezember 2022

In diesem Jahr nimmt der friedenspolitische Kongress des bundesweiten Friedensratschlags ​die Ukraine-Krise und seine globalen Konsequenzen in den Blick. Als Arbeitskreis ​Zivilklausel in Kassel werden wir zusammen mit einigen anderen studentischen Initativen ​anderer Hochschulstandorte einen Stand auf dem Kongress unterhalten und über die ​Kämpfe und Auseinandersetzungen an den Universitäten berichten. Am Rande des ​Kongresses ist ebenfalls ein großes Arbeitstreffen der Zivilklausel-Aktiven geplant.


Als AK Zivilklausel laden wir alle interessierten Studierenden ein mit uns an dem Kongress ​teilzunehmen. Meldet Euch bei uns unter akzivilklauselkassel@riseup.net


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Link zum Programm des bundesweiten Friedensratschlag 2022

Link zur Website der bundesweiten Zivilklauselaktiven

»quo vadis ​Zivilklausel?«


13.12.2022

18.00 Uhr

Julian Firges ist Umweltingenieur an der ​Universität Kassel. Als Student und Mitgründer des ​Arbeitskreis Zivilklausel hat er seit 2012 ​maßgeblich daran mitgewirkt, dass die Zivilklausel ​in die Teilgrundordnung der Universität Kassel ​aufgenommen wurde.

...Vortrag & Diskussion mit Julian Firges

(Universität Kassel)


Unis und Schulen frei von Militär!

DIE ZIVILKLAUSEL - eine Anleitung und eine Antwort.


Kausale Distanz. Sie beschreibt die Schwierigkeit sich vorstellen zu können, dass auch wir ​sehr viel schneller und sehr viel direkter Teil von Konflikten der Welt werden, ohne es ​gleich erfassen zu können oder gar zu wollen. Es geht mir um den ganz profanen Alltag ​von uns Studenten, Mitarbeitern, Forschern. Wie werden unsere Forschungsergebnisse ​genutzt?

Kann ich mir an meiner Uni sicher sein, dass meine Arbeitsergebnisse nicht mit ​Projektpartnern aus der Rüstungsbranche geteilt werden?

Welchen Einfluss hat die Rüstungshochburg Kassel auf die Lehre? Wie kann die ​Zivilklausel den Rahmen einer neutralen und freien Wissenschaftswelt setzen? Wie ​positioniert sich unsere Hochschule dazu? Und welche Relevanz hat es eigentlich, sich ​solche Fragen zu stellen? Also mal so ganz konkret...?!





Beitrag zur Zivilklausel in der friedenspolitischen ​Reihe im Sonnenberg Verlag

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»FEMINISTISCHE ​AUßENPOLITIK«


26.01.2023

20.00 Uhr

Uta Ruppert ist Professorin für Politikwissenschaft und ​Politische Soziologie an der Goethe-Universität ​Frankfurt mit dem Schwerpunkt Globaler Süden unter ​besonderer Berücksichtigung der Geschlechter-​verhältnisse.


...Vortrag & Diskussion mit UTA RUPPERT

(goethe-UNI FRANKFURT)

»Ein bisschen Feminismus im Krieg?«, diese Frage stellt sich Uta Ruppert in einem jüngst ​veröffentlichten Beitrag in der Prokla (2022, Nr. 3) und stellt heraus, dass insbesondere durch ​die neoliberale Vereinnahmung des Feminismus eine feministische Außenpolitik im Krieg sich ​in ein Paradox verkehrt.


Sollte die neue Linie der deutschen Außenpolitik durch Annalena Baerbock noch eine ​feministische sein, dann hat sich spätestens durch die Zustimmung zu Waffenlieferungen, der ​beispiellosen Militarisierung der Bundeswehr und des öffentlichen Diskurses, ihren ​widersprüchlichen Zenit erreicht. Mehr noch reproduziert es das, was durch eine wirkliche ​emanzipatorische feministische Außenpolitik in den internationalen Beziehungen bekämpft ​werden sollte: die patriarchale Grundierung internationaler Politik und die maskulinistische ​Fundierung von Militarismus und Kriegsgewalt.


In Ihrem Vortrag wird Uta Ruppert die Geschichte feministischer Konzepte in den ​internationalen Beziehungen nachzeichnen und dabei aufzeigen, welche friedenspolitischen ​Grundlagen notwendig wären, um „auf grundlegende Fragen des Weltfriedens bessere, ​inklusivere Antworten zu geben".


Im aktuell militaristisch aufgeladenem Klima offen über Frieden reden zu können, ist hierbei ​ein erster Schritt.


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JANUAR ´23

tba

»KLIMAKRISE, ​KRIEG & FRIEDEN«


...in Kooperation mit Students For Future Kassel

Ankündigungstext folgt in ​Kürze....

06.02.2023

20.00 Uhr

»VON AUTORITÄREN ​UMBRÜCHEN BIS ZUM ​KRIEG«


Felix Jaitner ist Politikwissenschaftler und ​promoviert zu Klimawandel in Russland und ist ​Mitglied der Forschungsgruppe Osteuropastudien ​an der Universität Wien. Daüber hinaus ist Felix ​Jaitner Mitglied bei DRA (Deutsch-Russischer-​Austausch e.V.).

...Vortrag & Diskussion mit FELIX JAITNER

(UNI WIEN | Deutsch-russischer-Austausch e.V.)

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wird beinah einhellig von Putins-Krieg gesprochen und damit ​gerade die innergesellschaftlichen Verhältnisse in Russland und im postsowjetischen Raum ​vernachlässigt.


Felix Jaitner argumentiert in einem kürzlich veröffentlichten Beitrag in der PROKLA (2022 / ​Nr. 3), dass der schrankenlose neoliberale Umbau in der frühen Transformationsphase der ​russischen Föderation hin zu einem ressourcen-extraktivistischen Produktionsmodells, ​maßgeblich durch einen autoritären Umbau des politischen Systems abgesichert wurde und ​sich nach Putins Amtsübernahme noch verschärfte.


Die expansive Außenpolitik des Kremels sei deshalb auch als Reaktion auf die verschiedenen ​innenpolitischen Krisenprozesse dieser Entwicklung in Russland und im postsowjetischen ​Raum zu verstehen. Die Vorgeschichte des Krieges ist deshalb auch eine Geschichte der ​Einführung des Kapitalismus in den entstehenden postsowjetischen Nationalstaaten.



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